Essen im Freien

Spaß oder Streß?

Laut Duden kommt der Begriff Picknick aus dem Französischen und bedeutet Essen im Freien. Provokativ sei gefragt, ob das bedeutet, daß alles, was normalerweise im Eßzimmer serviert wird, jetzt ins Freie getragen werden muß? Also Salate, Soßen, Wurstsalat, warmgehaltene Bratkartoffeln und Spätzle, Fleischkäse und Würste zum Grillen und natürlich all die notwendigen Getränke. Da wird verzweifelt nach den noch dichten Gefäßen gesucht in denen die Soße auslaufsicher im Rucksack oder Picknickkorb transportiert werden kann. Alleine das Gewicht der Schüsseln und Gefäße zwingt jeden Beteiligten in die Knie. Dann kommen noch Picknickdecken hinzu, Picknicktaschen, Kühlbox, Klappstühle, Liegen usw. Also muß man mit dem Auto zum Platz im Freien fahren. Wo bleibt hier der Spaß?

Zum Ende des Picknicks müssen dann die versiffelten Schüsseln eingepackt und wiederum auslaufsicher verstaut werden. Und wenn zu Hause festgestellt wird, daß der eine oder andere Behälter doch nicht so ganz dicht war stellt man sich die Frage, ob man selber ganz dicht war, diesen Ausflug in den Streß zu arrangieren. Warum muß Essen im Freien genauso aussehen wie Essen zu Hause? Weil es alle so machen!

Mit wenig Aufwand ist es möglich solch einen Ausflug zum Erlebnis anderer Art werden zu lassen. Wenn im voraus beschlossen wird, daß nur eine Wanderung oder Fahrradtour in Frage kommt, so hat man schon den Ballast Decken und Klappstühle eliminiert. Denkt man zuerst französisch könnte frisches Baguette ein erster Anfang sein. Wem dies zu ungesund ist nimmt frisches Roggenbrot. Mit Frischkäse bestrichen, Frischwurst, Salatblättern, Gurke und Tomate belegt ist das leicht und sicher zu verstauen und schmeckt hervorragend. Kein Besteck notwendig, nur für die zusätzlich mitgenommenen Tomaten, die man einfach anknabbert wie in der Kindheit, benötigt man einen Salz und Pfefferstreuer.

Wer schon einmal in den Bergen war oder in den Genuß eines Winzervespers mitten im Weinberg kam hat schon gleich neue Ideen. Da liegen im Rucksack oder auf dem Tisch Schinkenwurst und weitere Würste, Landjäger, Pfefferbeisser, Käse am Stück, Salatgurken, Tomaten, Rettich etc. Auch dafür wird nur Salz und Pfeffer und zusätzlich ein Messer benötigt. Stopp! Senf und Ketchup nicht vergessen, für die edlen Gäste vielleicht ein Gläschen Meerrettich? Hat man seinen Bäcker lieb und die Liebe wird erwidert, so hat er einem vielleicht kurz vor Aufbruch ein frisches Bauernbrot gebacken. An Feuchttücher und Servietten sollte gedacht werden.

Wenn sich Hand für Hand zur Wurst oder zum gereichten Baguette strecken ist das Gefühl der Gemeinsamkeit ein anderes als der Griff zum Salatbesteck im angemachten und in der Landschaft herumstehenden Gurkensalat.

Wer dann noch ein kaltes Bier oder ein Glas Wein dringend zum Spülen benötigt kann beruhigt auf seine riesige Kühltasche verzichten. Es gibt Neopren Taschen mit Henkel, in denen selbst eine ausgewachsene Weinflasche unsichtbar verschwindet. Wiegt fast nichts und hält lange Zeit kühl. Beim Taucher funktioniert das andersherum. Kühle Köpfe stecken in die Getränkefächer noch Gefriergel und verlängern die Zeit der Kühlung damit erheblich. Dadurch kann passieren, daß sich der Ausflug bis in die Dämmerung oder Nacht hinzieht. Da wird es bekanntlich kühl und dunkel. Das heißt, ein Jäckchen und eine starke Taschenlampe sollten wir immer bei uns führen.

Wem das alles zu popelig ist, der kann natürlich auch einen Spiritus- oder Gaskocher in seinen Picknickkorb packen. Wenn alle zusehen wie der Eintopf sich entwickelt, dann kocht sich die Spannung von alleine hoch. In Ungarn habe ich einmal erlebt, wie fast jeder Neuankömmling am See 3 Füße ins Gras stellte, Grillkohle anzündete und seinen Gulaschtopf für Stunden über das Feuer hängte. In der Zwischenzeit wurde gebadet, gespielt, gelabert und keiner hatte Streß mit Würstchen oder Fleisch wenden.