Lustvolle Fahrradtour

Mit einem fröhlichen Liedchen auf den Lippen

Es gibt Zeitgenossen, die nehmen an Volksläufen teil, fahren Rad nach Rad hinter anderen Radlern her, laden sich 30 kg aufs Kreuz, legen eine Isoliermatte quer und fühlen sich dabei wohl. Das ist o.k. Umgekehrt gibt es wiederum Leute, die lieber kreativ an eine Fahrradtour herangehen.

Wie wäre es, den ganzen Ballast zu vergessen, eine winzig kleine Fahrradtasche vor den Rennrad-Lenker zu klemmen und zu versuchen, in diesen kleinen Behälter das Gepäck von 3-6 Tagen unterzubringen? Hat den Vorteil, daß das Kreuz nicht schlapp macht, der Überblick nach hinten ist gewahrt und es radelt sich leichter. Begegnet man bunt gefiederten Profis, so schaut man diesen keck ins Gesicht und senkt keinesfalls verschämt den Blick. Die innere Einstellung lautet: ich-kann-es, nur anders!

Erfahrungsgemäß sollte man sich in kurzen Klamotten nicht über Nacht an einen Fluß legen. Stellt sich zu Anfang an gemütlich dar, spätestens nach Mitternacht um halb 3, wenn einen die erste Schnecke überquert und die Maus ins Ohr ziept, wünscht man sich eine Wolldecke herbei. Auch sollte in der Radlerflasche eher reines Wasser denn Campari on the rocks sein, das sind lange Erfahrungsschätze.

Eine solche Abenteuerfahrt muß gut geplant werden, wobei ungeplant wiederum viel lustiger ist. Als ich mal in Radolfzell mit halbleerem Geldbeutel und vergessener Kreditkarte landete bekam ich das nötige Naß von netten Menschen spendiert. Peinlich war nur die Frage an die feine Hoteldame, ob zu den Zimmerkosten auch noch Kurtaxe hinzukommt. Meine Frau hat mich dann ausgelöst. Das Grundsätzliche hat jedoch funktioniert. Man kann mit solch einem kleinen Täschchen viele Tage verreisen. Wer über einen Gepäckträger verfügt ist natürlich noch feiner raus. Er kann seine Tasche einklemmen oder 2 Gepäcktaschen an der Seite herabbaumeln lassen. Ob dann noch sparsames Packen angesagt ist? 

Empfehlung gegen den Muff: Hemd nur einmal tragen, zweites Hemd am nächsten Tag anziehen, Hemd 1 der Luft übergeben. Regeneration nennt man das. Daß man sich nicht so ganz frisch wie zu Hause fühlt wird zu Beginn der Reise bereits eingehirnt.

Ein Handy führt man nur für Notfälle bei sich. Ansonsten ist man nicht erreichbar. Also Einbahnstraße aufbauen. Schlafanzug benötigt man das erste Mal im Leben nicht. 2-4 Unterhosen, Unterhemden, T-Shirts und ein Beutelchen mit Waschmittel sind empfehlenswert. Ein wasserdichter Überhang sollte mitgeführt werden. Wer Socken liebt nimmt ein Paar extra mit. Wer darauf verzichtet zieht auch im Winter keine Socken mehr an. Ein Fahrradjäckchen kann man um irgendeine Stange wickeln. Zahnbürste ist wichtig, muß aber nicht elektrisch und mit Ladegerät mitgenommen werden. Zahnpaste, Kamm, Seife (mit vielen kann man auch Haare waschen), Zahnstocher, Pflaster, Medikamente, Sonnenmilch, Schweizer Messer, Personalausweis, etwas zum Schreiben plus Schreibpapier, Scheckkarte, Geld, Straßenkarte, Nagelfeile und Taschentücher ergänzen die Ausrüstung. Flickzeug und einen Ersatzreifen führt man immer mit, ebenso eine Luftpumpe und nötiges Werkzeug.

Dann muß man sich von Mama, Papa oder Frau/Mann lösen und stellt am zweiten Tag fest, daß diese Reise ein grandioser Einfall war. Ausprobieren!